Dauertest: WTB Riddler

Was kann der Gravel-Reifen der Kalifornier?


Text & Fotos: Jan Holbeck | 02.11.2023

Die Suche nach einem neuen Gravelreifen kann bei der Vielzahl an Modellen überfordern. Immer mehr Hersteller sind in den letzten Jahren auf den Gravel-Trend aufgesprungen. Quasi von Anfang an dabei sind aber die Kalifornier von WTB. Seit 2016 produzieren sie Reifen der "Road Plus"-Kategorie. Das Profil des Riddler wurde von schnell rollenden Mountainbike-Reifen übernommen und auf Gravel- und Cyclocross-Dimensionen angepasst. Gravel Club-Guide Jan hat den Gravel-Klassiker genauer unter die Lupe genommen.


Diesmal wurde mir die Entscheidung zur Wahl eines neuen Reifens von Focus abgenommen: Mein neues Atlas ist direkt mit einem Gravelreifen bestückt, der glücklicherweise auch zu meinen Anforderungen passen könnte. Der WTB Riddler ist am Atlas in 45C Breite montiert. Die Kalifornier von WTB stellen nicht nur Reifen her, sie entwickeln auch Komponenten wie Felgen, Griffe oder Sättel. Dazu baute WTB einst auch Fahrradrahmen, allerdings ist das schon längst Geschichte. Der Markenname WTB steht für Wilderness Trail Bikes. Damit unterstreichen die Gründer, dass sie eher die unbefestigten Wege des Radsegements bevorzugen.


Das Focus Atlas 6.8 ist ab Werk mit dem WTB Riddler bestückt.

Der Reifen

Die 700C-Version gibt es mit 37- oder 45 Millimeter in zwei Breiten. Während die schmale Variante Cyclocrosser ansprechen soll, kommt die breitere Version für Langstreckenfahrer und Bikepacker in Frage. Die 45er Pneus sind also die richtige Wahl für mein abenteuerhungriges Atlas. Verbaut ist der Riddler mit Schlauch, und so fahre ich das Focus-Setup auch erst einmal. Auf dem Gravelbike bin ich seit der ersten Fahrt Pannenfrei.

Profil

Der Reifen ist in der Profilkarkasse dreistufig aufgebaut. Außen sind dicke Seitenstollen, die nach innen schmaler werden. Auf der Lauffläche hat der Pneu viele kleine und versetzte Stollen. Alle Stollen sind von Grundform quadratisch, die kleineren Seitenstollen haben teils eine schräge Seite.

Mit der Beschriftung “Fast Rolling Light“ verspricht WTB gute Rolleigenschaften. "TCS" weist auf die Tubelesstauglichkeit hin. Leider kommt die am Focus verbaute Version ohne die Slash Guard (SG 2) Protection-Einlage von WTB. SG 2 besteht aus einem leichten Nyloneinsatz in der Karkasse. Damit wird das Verhältnis von Fasern und Gummi verbessert, was für erhöhten Pannenschutz und Gewichtsreduktion sorgt. Reifen mit SG 2 weisen 120 TPI auf. 
Die Gummimischung ist zweiphasig gestaltet. In der Mitte ist sie etwas härter, damit der Reifen schneller abrollt. Die äußeren Seiten sind weicher, was einen besseren Kurvenhalt gewährleisten soll. Dual DNA Rubber Compound nennt WTB diese Eigenschaft. Laut technischer Dokumentation wiegt der 28“-Reifen mit 700Cx45 und 60 TPI 560 Gramm. Der empfohlene Reifendruck liegt zwischen 2,4 und 3,8 bar.

Vorne: Der Reifen im Neuzustand.

Hinten: Deutlicher Verschleiß bereits nach 1377 km.

Hinten: der Reifen ist durch Schnitte gezeichnet.

Fahreindruck

Es dauert ein bisschen, bis ich den richtigen Luftdruck für meine Bedürfnisse gefunden habe. WTB empfiehlt mindestens 2,4 bar. Bei meinem Körpergewicht von etwa 83 Kilogramm setze ich auf 2,7 bar. Weniger macht mir einen schwammigen Eindruck. Und obwohl ich diesen Druck als hoch für die 45er Reifenbreite empfinde, spüre ich genug Komfort beim Fahren über unwegsamen Untergrund. 

Auf Asphalt und feinem bis mittleren Gravel bietet der Reifen guten Vortrieb. Und auch auf den Schotterabfahrten, im Wald und sowieso auf Asphalt empfinde ich Sicherheit und lasse mit dem Reifen ordentlich “laufen“. Ein Abrollgeräusch ist, gerade auf Teerwegen, kaum wahrnehmbar.

Leichte Schwächen zeigt der Riddler auf matschigem Untergründen. Er neigt dann zum Durchdrehen. 

Härtetest im Schnee

Mitte Januar 2022 jage ich den WTB über die #SolidAHRitäts Route des The Gravel Club Rheinland, die uns in den Höhenlagen der Ahr mit Schnee empfängt. Ein Gefühl von “ach Du Sch....“ überkommt mich, die Folge bleibt jedoch aus, auch wenn ich ab und zu mit dem Hinterrad durchdrehe oder ausbreche. Allerdings sind das Extrembedingungen, die hier im Rheinland die Ausnahme darstellen und so macht diese Erfahrung eher Spaß als Sorgen.

Pannensicherheit?

Dass mir auf dieser Runde ein Plattfuß erspart bleibt, war zu optimistisch gedacht. Denn als ich in meine Straße einrolle, geht dem Vorderrad die Luft aus. Mein Lauf, Pannenfrei zu sein, ist damit beendet. Am nächsten Tag bestätigt ein kleiner, kaum zu erkennender Dorn die Undichtigkeit. Den Reifen habe ich nun ungefähr 350 Kilometer im Einsatz. Über die kurzen Runden im Frühjahr ist er eigentlich ein zuverlässiger Begleiter. Gerade die Ausflüge in die nahe Voreifel und das Ahrtal bringen durchaus auch schroffen und rauen Untergrund mit sich. Das verlangt dem Riddler einiges ab. Hängen lässt er mich aber erst mal nicht.

Aber so wie bei der ersten Panne, ist es dann eine Runde auf Traumschotter im Bonner Kottenforst, wo mich der nächste Platten überrascht. Auf den ersten Blick zwingt mich ein kleiner, gut sechs Zentimeter langer Stock zum Anhalten, auf den zweiten steckt dieses kleine Stück Holz aber im Reifen. Und natürlich ist der WTB platt, als ich diesen Fremdkörper entferne. Ich bin verwundert, denn es handelt sich um ein normales, ca. fünf Millimeter dickes Ästchen. Nichts großes, Normalität im Wald. Immerhin ist es nun das Hinterrad. 1:1 - Ausgleich.

Knapp 750 km hat der Reifensatz nun weggesteckt und seitdem zwei Platten auf eher harmlosen Touren. Doch meine Pechsträhne nimmt kein Ende: Bei einer Runde Ende Mai in der Ahreifel führt ein Durchschlag nicht nur zum Platten, sondern ruiniert mir auch die Felge. Auch wenn ich die Runde fortsetzen kann. Zu diesem Moment ahne ich noch nicht, dass ich über einen weiteren Schlauch im Gepäck froh sein werde. Denn zum Ende der Runde habe ich den nächsten Platten. Spätestens jetzt kommt bei meinen Begleitern das Thema Tubeless auf.

Und ich? Ich bemerke mein Stirnrunzeln selbst. Habe ich einfach ein Montagsmodell erwischt? In den kommenden 800 Kilometern lässt mich der WTB dann aber glücklicherweise nur noch ein Mal im Stich. Meinen Luftdruck habe ich zwischenzeitlich auf annähernd 3 bar erhöht und führe sicherheitshalber immer zwei Schläuche mit.


Vorne: Nach 2186 km ist das Profil noch gut erhalten.

Hinten: Das Profil am Hinterrad ist deutlich abgenutzt. 

Fazit

Der Reifen sieht optisch, besonders mit den Tan-Walls sehr schön aus und das Profil macht einen durchdachten Eindruck. Gerade dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Fahren. Der Reifen hat kaum Abrollgeräusche und läuft gut vorwärts. Er bietet eine gute Traktion auch bei schnellen Schotterabfahrten. Die Seitenstollen vermitteln Sicherheit in schnellen Kurven. Nur im Matsch verliert der Reifen leicht den Grip.

Nach 1400 Kilometern hat die Lauffläche schon ordentlich Material gelassen. Er läuft aber bis zum Wechsel bei ca. 2200 Kilometern trotz fast blankem Profil am Hinterrad überraschenderweise gut! Die letzte Runde, die im Herbst auf teils schlammigen Boden absolviert wird, bringt immer noch Grip. Auf festem Untergrund merkt man den Materialschwund fast nicht.

Die Pannensicherheit ist für mich die Schwachstelle. Die Reifenversion ohne SG 2 Protection-Einlage ist für meine Dimensionen offenbar fehl am Platz. Fünf Platten beschert mit der Riddler insgesamt – zwei im Vorderreifen, drei im Hinterreifen.
Auch fallen mir nach über 1000 Kilometern kleine Schnitte im Gummi auf. Gerade das Schiefergestein im Ahrgebirge scheint dem WTB viel abzuverlangen. Erkennbar ist auch, dass manche Seitenstollen angerissen sind.

Wer aber auf feine Schotterpisten oder Asphaltwege setzt oder Tubeless fährt, der wird im Riddler sicher einen guten Begleiter finden.

Der Riddler im Ahrtal. Auch das dortige Schiefergestein setzt dem Gravelreifen ordentlich zu.

Die Daten

Der WTB Riddler im Detail

HerstellerWTB
BezeichnungRiddler
Größen37-622,  45-622
Gewicht*ab 465 Gramm
TypFaltreifen
Tubeless-fähigJa, TCS
GummimischungDual DNA (Fast Rolling)

Karkasse

Lightweight
NutzungGravel und Cyclocross
Farbe

Tanwall

Preis54,95 Euro

*Herstellerangabe


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Über Jan: Der Mann aus dem Rheinland ist von Haus aus eigentlich Mountainbiker. Auf der Suche nach einer schnellen und vielseitigen Lösung für die gut 20 Kilometer zur Arbeit verguckte er sich jedoch in ein Gravelbike: Das Canyon Grail AL. Bald folgte das vollausgestattete Cube Nuroad Pro FE als Pendlerbike, während das Canyon Grail AL mehr und mehr für den eher sportlichen Einsatz am Wochenende eingesetzt wurde, dann geriet Jan in die Fänge des Gravel Collectives und ist seitdem komplett verloren. Mittlerweile verantwortet er gemeinsam mit Marc den Gravel Club Rheinland und bietet dabei regelmäßig spannende und mit Leidenschaft gescoutete Touren an. Mittlerweile ist er auf das Focus Atlas 6.8 umgestiegen.

Folgt Jan auf Instagram.

Foto: Dan Zoubek

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